Serpentino Poschiavo ist ein paläozoischer Peridotit aus Selva bei Poschiavo im Schweizer Kanton Graubünden mit tiefdunkelgrüner bis fast schwarzer Grundfarbe und charakteristisch gesprenkelter, ultramafischer Mineraltextur. Auch als Bündner Serpentin oder Puschlaver Serpentin gehandelt — ein außergewöhnlich dichtes, hochfestes Alpenmaterial für gestaltete Innenwandverkleidungen, Bodenflächen, Sichtflächen, Kamineinfassungen und repräsentative Innenarchitektur.
Petrographisch ein Peridotit (ultramafisches Tiefengestein), im Handel als Serpentin/Marmor-anmutendes Material geführt.
Andere Handelsnamen: Bundner Serpentin, Poschiavo Serpentine, Puschlaver Serpentin, Selva
Über Serpentino Poschiavo
Serpentino Poschiavo ist eines der traditionsreichsten Schweizer Naturmaterialien — ein paläozoischer Peridotit aus dem Steinbruch Selva bei Poschiavo im Kanton Graubünden, seit Jahrhunderten als „Bündner Serpentin" oder „Puschlaver Serpentin" in der Alpenarchitektur eingesetzt. Charakteristisch ist eine tiefdunkelgrüne bis fast schwarze Grundfarbe mit gleichmäßig gesprenkelter, ultramafischer Mineraltextur — das Plattenbild zeigt die typischen Olivin-, Pyroxen- und Serpentin-Kristalle in einem dichten, kristallinen Verband, der je nach Bearbeitung mit unterschiedlicher Tiefe und Mineralvielfalt sichtbar wird. Im Markt läuft das Material auch unter den Bezeichnungen Selva, Bündner Serpentin, Puschlaver Serpentin und Poschiavo Serpentine. Bei ROSSITTIS führen wir Serpentino Poschiavo für gestaltete Wandverkleidungen, Bodenflächen, Treppenanlagen im Innenbereich, Kamineinfassungen, Sichtbartheken, Waschtischabdeckungen, dekorative Sichtflächen und projektbezogene Sonderanfertigungen mit Wunsch nach dunkelgrüner Alpen-Materialhandschrift.
Geologisch ist Serpentino Poschiavo trotz des Trade-Namens „Serpentino" kein Serpentinit im engeren petrographischen Sinne, sondern ein paläozoischer Peridotit — ein ultramafisches magmatisches Tiefengestein aus den ophiolithischen Sequenzen der Alpen. Peridotite gehören zu den seltensten Gesteinen, die kommerziell verarbeitet werden, und stammen geologisch aus tieferen Erdkrustenzonen oder dem oberen Erdmantel. Mineralogisch bestehen sie überwiegend aus Olivin und Pyroxen mit teilweise serpentinisierten Bereichen — daher der historische Trade-Name, obwohl die Vollserpentinisierung nicht erreicht ist. Die DNSA dokumentiert das Material unter Eintrag 498 (INSK 58.6) mit dem Hauptnamen POSCHIAVO. Der Steinbruch Selva bei Poschiavo liefert dieses Material seit Jahrzehnten konsistent für die Schweizer und mitteleuropäische Architektur. Im internationalen Steinhandel wird Serpentino Poschiavo aufgrund seiner dunklen grünen Optik und der dekorativen Innenanwendung üblicherweise der Marmor-Familie zugeordnet, obwohl die petrographische Klassifikation Peridotit lautet — die technischen Eigenschaften liegen jedoch deutlich über klassischen Marmoren.
Die technischen Werte sind außergewöhnlich für ein als „Marmor-anmutend" gehandeltes Material: Rohdichte 3.000 kg/m³ (sehr hoch, typisch für ultrabasische Gesteine), Druckfestigkeit 237,2 MPa (eine der höchsten unter europäischen Naturwerksteinen), Biegezugfestigkeit 47,5 MPa (extrem hoch — mehr als das Doppelte üblicher Granitwerte), Wasseraufnahme nur 0,01 Prozent (nahezu null). Frostbeständigkeit ist DNSA-bestätigt. Diese Werte machen Serpentino Poschiavo technisch zu einem der robustesten Naturwerksteine überhaupt — die Biegezugfestigkeit ist außergewöhnlich und macht das Material besonders geeignet für stark belastete Bodenflächen, schmale Stützelemente und freitragende Konstruktionen. Eine wichtige Besonderheit: DNSA dokumentiert eine partielle Säureempfindlichkeit — einzelne Mineralkomponenten sind nicht dauerhaft säurebeständig. In der Praxis bedeutet das: säurehaltige Reiniger und konzentrierte Säuren sind zu meiden. Eine zweite Besonderheit: Die Politur ist im Außenbereich nach DNSA nur bedingt dauerhaft — für Außenanwendungen empfehlen wir geschliffene oder gestockte Oberflächen.
Bei ROSSITTIS ist Serpentino Poschiavo als Rohplatte (Unmaßplatte), als Bodenfliese, als Tritt- und Setzstufe, als Fensterbank, als Sockelleiste, als Wandverblender, als Sichtflächen-Element und als projektbezogener Zuschnitt verfügbar; ebenso als Sichtbartheke, Kamineinfassung und Waschtischabdeckung. Lieferbare Oberflächen sind poliert (Spiegelglanz, intensive Tiefe der dunkelgrünen Grundfarbe, klare Sichtbarkeit der Mineralsprenkel — die klassische Wahl für repräsentative Innenflächen mit voller Materialwirkung; im Außenbereich nur bedingt dauerhaft), geschliffen (gleichmäßig matt, ruhiger, die kristalline Textur bleibt sichtbar — empfehlenswert für Bodenflächen und alltagstaugliche Anwendungen), gesägt (industriell wirkend, ungerichtet — geeignet für moderne Architektur) und gestockt (grob strukturiert, mit historischer Anmutung — Wahl für Sockelausbildungen und gestaltete Außenakzente). Der Hauptanwendungsbereich des Materials ist nach DNSA-Empfehlung der Innenraum.
Unsere ehrliche Einschätzung: Serpentino Poschiavo ist ein außergewöhnlich hochwertiges Schweizer Alpenmaterial mit einer einmaligen Kombination aus dunkelgrüner dekorativer Anmutung und technischen Spitzenwerten. Für gestaltete Innenwandverkleidungen, repräsentative Bodenflächen, Sichtbartheken, Kamineinfassungen und Statement-Architektur in Alpen-Tradition ist das Material eine erstklassige Wahl — die einzigartige Materialhandschrift ergibt sich aus der ultramafischen Mineralogie, die in keiner anderen weit verbreiteten Steinfamilie zu finden ist. Bei der Auswahl sollte beachtet werden, dass das Material primär für den Innenbereich konzipiert ist; säurehaltige Reiniger und langzeitige Außenpolier-Anwendungen sind zu vermeiden. Für klassische Außenfassaden und Pflasterungen mit Polier-Anspruch ist ein klassischer Hartgranit besser geeignet; für gestaltete dunkelgrüne Innenflächen mit Schweizer Alpencharakter ist Serpentino Poschiavo eine sehr starke Wahl.
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Technische Daten
Richtwerte für die Gesteinssorte aus Hersteller- und Prüfberichten. Naturstein ist ein Naturprodukt — einzelne Chargen und Platten können abweichen. Bei kritischen Anwendungen (z. B. kommerzielle Außenfassade, tragende Bauteile) wird die konkrete Charge üblicherweise projektbezogen geprüft — wir unterstützen gerne bei der Koordination.
Serpentino Poschiavo ist in verschiedenen Oberflächenbearbeitungen erhältlich. Die Wahl der Oberfläche beeinflusst Optik, Haptik und Pflegeaufwand.
Poliert
Spiegelglanz, intensive Tiefe der tiefdunkelgrünen Grundfarbe, klare Sichtbarkeit der Olivin- und Pyroxen-Mineralsprenkel. Erste Wahl für repräsentative Innenflächen, Wandverkleidungen, Sichtbartheken und Kamineinfassungen — im Außenbereich nach DNSA nur bedingt dauerhaft.
Geschliffen
Gleichmäßig matte Oberfläche, ruhigere Wirkung, die kristalline Mineraltextur bleibt sichtbar. Pflegeleichter als poliert und alltagstauglich, empfehlenswert für Bodenflächen und stark genutzte Innenflächen.
Gesaegt
Industriell wirkende, gleichmäßige Oberfläche aus dem Sägeprozess. Geeignet für moderne Architekturkonzepte und gewerbliche Bodenflächen mit klaren Linien.
Gestockt
Grob strukturierte mechanische Bearbeitung mit historischer Anmutung. Klassisch für Sockelausbildungen, Denkmalsanierung und gestaltete Außenakzente — die Wahl bei Außenanwendung mit Wunsch nach langfristiger Witterungsbeständigkeit.
Pflege & Verarbeitung
Serpentino Poschiavo lässt sich als Schweizer Peridotit langfristig pflegen und problemlos reinigen. Mit einer Wasseraufnahme von nur 0,01 Prozent gehört das Material zu den dichtesten Naturwerksteinen überhaupt — Flecken können kaum eindringen. Eine Imprägnierung auf Silan- oder Polysiloxanbasis nach der Verlegung ist trotzdem empfehlenswert, vor allem bei polierten Innenflächen und Sichtbartheken, um die Materialtiefe langfristig zu schützen. Die laufende Reinigung erfolgt mit einem pH-neutralen Natursteinreiniger und einem weichen Mikrofasertuch oder Wischmopp; klares Wasser allein reicht für die tägliche Pflege fast immer aus. Wichtig: Wegen der partiellen Säureempfindlichkeit der Mineralkomponenten sollten säurehaltige Reiniger (Essig, Zitronensäure, Entkalker) und stark alkalische Allzweckreiniger unbedingt vermieden werden — sie können einzelne Mineralbestandteile anlösen und die Politur mattieren. Lebensmittel-Säuren wie Wein, Zitronensaft oder Essig zeitnah aufnehmen. Im Außenbereich ist Serpentino Poschiavo frostbeständig — die polierte Oberfläche kann unter dauerhafter Bewitterung jedoch an Glanz verlieren; für dauerhafte Außenflächen empfehlen wir geschliffene oder gestockte Oberflächen. Eine Auffrischung der Imprägnierung empfehlen wir je nach Beanspruchung alle drei bis fünf Jahre.
Häufige Fragen
Ist Serpentino Poschiavo wirklich ein Serpentinit?
Petrographisch ist Serpentino Poschiavo trotz des Trade-Namens „Serpentino" kein Serpentinit im engeren Sinne, sondern ein paläozoischer Peridotit — ein ultramafisches magmatisches Tiefengestein. Peridotite enthalten teilweise serpentinisierte Mineralbereiche, was den historischen Handelsnamen erklärt. Die technischen Eigenschaften liegen aber deutlich über klassischen Serpentiniten und Marmoren — höhere Dichte, höhere Festigkeit, geringere Wasseraufnahme.
Welche Bezeichnungen führt das Material noch?
Im Markt läuft das Material unter mehreren traditionsreichen Bezeichnungen: Serpentino Poschiavo (italienische Hauptbezeichnung), Selva (nach dem Steinbruchsort), Bündner Serpentin (deutsche Schweizer Bezeichnung), Puschlaver Serpentin (deutsche Variante nach dem Tal Puschlav) und Poschiavo Serpentine. Alle Bezeichnungen verweisen auf denselben Schweizer Peridotit aus Selva bei Poschiavo.
Welche technischen Werte hat Serpentino Poschiavo?
Aus dem DNSA-Eintrag (498, INSK 58.6): Rohdichte 3.000 kg/m³ (sehr hoch, typisch für ultrabasische Gesteine), Druckfestigkeit 237,2 MPa, Biegezugfestigkeit 47,5 MPa (extrem hoch — mehr als das Doppelte üblicher Granitwerte), Wasseraufnahme 0,01 Prozent (nahezu null). Frostbeständigkeit DNSA-bestätigt. Säurebeständigkeit ist partiell — einzelne Mineralkomponenten sind nicht dauerhaft säurebeständig.
Welche Oberflächen gibt es bei Serpentino Poschiavo?
Lieferbar sind poliert, geschliffen, gesägt und gestockt. Poliert ist die klassische Wahl für repräsentative Innenflächen mit voller Materialwirkung — im Außenbereich nach DNSA-Hinweis nur bedingt dauerhaft. Für Außenanwendungen empfehlen wir geschliffen oder gestockt. Geflammt ist bei diesem Material nicht üblich.
Eignet sich Serpentino Poschiavo für Küchenarbeitsplatten?
Eingeschränkt. Die hohe Druckfestigkeit (237,2 MPa) und die nahezu null Wasseraufnahme (0,01 Prozent) machen das Material technisch sehr robust. Wegen der partiellen Säureempfindlichkeit sollten Wein, Zitronensaft oder Essig nicht über längere Zeit einwirken — verschüttete Säuren zeitnah aufnehmen, säurehaltige Reiniger meiden. Mit guter Imprägnierung ist Serpentino Poschiavo eine charaktervolle Wahl für gestaltete Bartheken und Kochinseln; für stark säurebeanspruchte Hauptarbeitsplatten sind säurefeste Hartgranite oder Quarzite die sicherere Wahl.
Wo wird Serpentino Poschiavo abgebaut?
Serpentino Poschiavo stammt aus dem Steinbruch Selva bei Poschiavo im Kanton Graubünden in der Südostschweiz. Das Puschlav-Tal liegt an der italienisch-schweizerischen Grenze und gehört zu den traditionsreichsten Naturstein-Förderregionen der Alpen — der Bündner Serpentin wird seit Jahrhunderten in der Schweizer und norditalienischen Architektur eingesetzt.
Was ist eine ophiolithische Sequenz?
Eine ophiolithische Sequenz ist ein geologisches Vorkommen, in dem ehemaliger Ozeanboden durch tektonische Prozesse an die Erdoberfläche gehoben wurde. Die Alpen enthalten zahlreiche ophiolithische Reste aus der Frühphase der Alpenbildung — die ultramafischen Gesteine wie der Serpentino Poschiavo stammen geologisch aus tieferen Erdkrustenzonen oder dem oberen Erdmantel und sind durch die Alpenfaltung zugänglich geworden.